Feuerwehr - Bericht über Einsatz am 17.04.2007

 

17.04.2007

 

Zwei Bomben hielten Fachleute in Atem

 

Erfolgreiche Entschärfung gestern Nachmittag im einem Wald bei Kircheib

 

KIRCHEIB. Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg im Doppelpack: Gleich zwei Bomben mussten die Männer des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz aus Koblenz gestern Nachmittag in dem Waldstück "An der Landstraße" bei Kircheib entschärfen. Und das gelang perfekt. Nach rund 25-minütiger Arbeit an den todbringenden Fundsachen kam die erlösende Nachricht via Handy. Dieses Duo richtet mit Sicherheit keinen Schaden mehr an.

 

16.15 Uhr: Auf dem Parkplatz am Friedhof in Kircheib planen Polizei, Feuerwehr und Straßenmeisterei die Rahmenbedingungen, damit die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes ihrer gefährlichen Arbeit nachgehen können. Die B 8 muss zwischen Kircheib und Rettersen für den Verkehr gesperrt werden, Evakuierungen sind zum Glück nicht erforderlich. Die Meldung, dass die Bundes-straße während der Entschärfung nicht befahren werden kann, ist an Rundfunksender, die Verkehrsnachrichten bringen, durchgegeben; der Luftverkehr - der Himmel über Kircheib gehört wegen seiner Nähe zum Köln-Bonner Airport zum kontrollierten Luftraum - über die Gefahr einer nicht gewollten Detonation informiert worden.

 

16.30 Uhr: Die Fachleute tun kund, dass sie mit ihrem Job beginnen können. Feuerwehrleute des Löschzuges Mehren - 14 Mann sind vor Ort - und Mitarbeiter der Straßenmeisterei machen die B 8 auf Anweisung der Altenkirchener Polizeibeamten "dicht", leiten die Pkw in Richtung Fiersbach bzw. Mehren um, stoppen die Lkw-Fahrer und bitten sie um ein wenig Geduld für die wahrscheinlich nur kurze Zwangspause, weil die Umfahrungsstrecken doch ziemlich schmal sind.

 

16.55 Uhr: Über Handy erhält Polizeioberkommissar Detlef Benner die Bestätigung: Die Bomben sind entschärft. Umgehend wird die Sperrung der B 8 aufgehoben, die Normalität kehrt zurück.

Die eine fünf Zentner schwer, eine Mehrzweckbombe, die andere zweieinhalb Zentner schwer, eine Splitterbombe (jeweils aus amerikanischer Herstellung): So beschrieb Frank Bender vom Kampfmittelräumdienst die Findlinge, als sie, schon zum Abtransport bereit, samt ausgebauten Zündern auf der Ladepritsche eines Lkw lagen. Dabei waren sie nicht gerade zufällig gefunden worden. Die Männer aus Koblenz gingen gezielt Hinweisen nach, die die Existenz des gefährlichen Gutes beschrieben hatten. "Wenn wir erneut Freiraum bei unserer Arbeit haben, werden wir in diesem Waldstück die Suche fortsetzen", deutete Bender die Möglichkeit weiterer Funde an. Es gebe mehrere Verdachtspunkte. Diese werden die Experten mit Magnetometer und kleinem Raupenbagger näher untersuchen.

 

Manfred Herrmann aus Heupelzen, der sich als Buchautor mit dem Bombenkrieg gegen Altenkirchen beschäftigt hat, bestätigte nach einer Stippvisite am Fundort die These Benders, dass die beiden Bomben wahrscheinlich im März 1945 abgeworfen worden sind. Er vermutet, dass amerikanische Flugzeuge die damalige Reichsstraße 8 (heutige B 8) unterbrechen wollten, auf der der Nachschub für die Verteidigung der Brücke von Remagen gerollt sei. Von welchem Flugzeugtyp die gefährliche Fracht ausgeklinkt wurde, konnte Herrmann nicht verifizieren.

Kircheibs Ortsbürgermeister Wilhelm Meuler hingegen kann sich vorstellen, dass die Bomben einen anderen Adressaten hatten. Nur wenig entfernt habe sich eine größere Werkstatt für Wehrmachtsfahrzeuge befunden, die durch den Wald sehr gut getarnt gewesen sei. "Die hätte durchaus ein Ziel sein können", sagte Meuler, der nach Kriegsende in besagtem Gebiet zahlreiche demontierte und zerstörte Fahrzeuge gesehen hatte. (vh)

 

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