Feuerwehr - Bericht über Einsatz am 24.12.2006

 

24.12.2006

 

Heilig Abend endete für zwei Familien in Oberirsen in einer Brandkatastrophe

 

 

Feuerwehreinsatz an HeiligabendOBERIRSEN. Heilig Abend endete für zwei Familien in Oberirsen in einer Brandkatastrophe. Weihnachtliche Stimmung herrschte in Oberirsen im Haus Schneider, im Fichtenweg.

 

Die Familie hatte sich versammelt, Tochter und Sohn mit Freund und Freundin, die guten Bekannten, die in der oberen Etage wohnten. Angelika Schneider, eine bekannte und beliebte Chorleiterin, hatte zum Abendessen aufgetragen.

 

(19:39 Uhr - Der gesamte Dachraum steht in Flammen)

 

19.16 Uhr war es als der Freund der Tochter in die alte Waschküche, die sich im angrenzenden Stall befand, ging um noch etwas zu trinken zu holen. Als er die Tür zum Scheunengebäude öffnete bemerkte er Brandgeruch und sah im gleichen Moment dass es in der darüber liegenden Decke brannte. Die Tür flog wieder zu und er rannte in die Wohnküche:

 

Feuerwehreinsatz an Heiligabend„Wo ist ein Feuerlöscher, es brennt“. Die Anderen sahen ihn ungläubig an und dachten an einen Scherz. „Kein Scherz, im Schuppen brennt es!“

 

Alle wurden schlagartig munter. Durch die Waschküche rannten sie nach draußen. Flammen schlugen bereits durch das Dach. Vor einer halben Stunde hatten die Schneiders gerade die zwei Pferde, Stute Tanja, 20 Jahre alt und ihren Sohn Dover, 11 Jahre alt, in den Stall neben der Waschküche gebracht.

 

(19:50 Uhr - Immer wieder explodieren von der Hitze Pfannen und fliegen umher)

 

Die Stalltür wurde aufgerissen und die Pferde auf die angrenzende Koppel gelassen. Im Werkraum stand das große Schlagzeug vom Sohn, dass nun schnell in den nebenan stehenden Verschlag gestellt wurde. Der Freund der Tochter rannte ins Haus holte die Kleintiere heraus. Einzig die Katze wollte sich nicht wegbringen lassen und entwischte wieder. Am Morgen danach wusste noch keiner ob sie noch lebt oder in der Asche des Hauses liegt. Bei der Feuerwehr Weyerbusch ging die Sirene um 19.18 Uhr.

 

Feuerwehreinsatz an HeiligabendDer Löschzug rückte komplett aus. Scheunenbrand war gemeldet. Als der Wehrführer und stellvertretende Verbandsgemeindewehrleiter Gerd Müller eintraf sah er dass das gesamte Gebäude, Wohnung und Stallung bereits lichterloh in Flammen stand.

 

Er alarmierte von seinem Einsatzleitwagen aus direkt den Löschzug Altenkirchen. Der eintreffende Löschzug Weyerbusch war im ersten Ansatz zur Tatenlosigkeit verurteilt.

 

(19:52 Uhr - Erste Löschtrupps gehen vor)

 

An das Gebäude kamen sie nicht ran, da die Stromleitungen jederzeit zu reißen drohten und auf der anderen Seite waren die Unterflurhydranten nicht oder nur schwer zu finden. Die nächste Überraschung war die Tatsache dass sich die Hydranten nicht öffnen ließen. Damit stand vorerst fest: „kein Wasser“ nur das aus den Tanklöschfahrzeugen. Irgendwann, nach kraftvollen Anstrengungen war doch ein Hydrant geöffnet worden.

 

Feuerwehreinsatz an HeiligabendInzwischen hatte man auch den Löschzug Mehren herbeigerufen und eine Schlauchleitung vom Dorfweiher aus gelegt. Zu dieser Zeit hatte das Feuer bereits den gesamten Dachstuhl in Brand gesetzt. Der Dachständer der Stromleitungen war von Flammen umhüllt.

Ein mächtiges Knallen und Funkenflug zeigten dass die Isolatoren geplatzt waren. Mit einem peitschenden Knall riss eine der Stromleitungen. Der Zufall wollte es dass keiner der Wehrmänner in der Nähe der herunterfallenden Leitung stand.

 

(20:55 Uhr - Das Feuer hat sich bis in die obere Wohnung durchgefressen)

 

Doch Pferd Dover hatte nicht dieses Glück, die Leitung traf ihn voll. Wie vom Blitz getroffen fiel er um. Seit Beginn des Brandes war zu diesem Zeitraum gut eine Halbe Stunde vergangen und dem Strombetreiber war es bis dahin nicht möglich den Strom abzuschalten.

 

Feuerwehreinsatz an HeiligabendAuch nach dem tödlichen Zwischenfall war noch einige Zeit Saft auf der Leitung.

 

Erst jetzt konnten die Wehrmänner ohne Gefahr für ihr eigenes Leben an die Brandstelle heran.

 

Innenangriff, so der Verbandsgemeindewehrleiter Günter Imhäuser, war nicht mehr möglich ohne die eigenen Leute zu gefährden.

 

 

(20:55 Uhr - Die Feuerwehr hat den Brand gelöscht.)

 

Auch in unmittelbarer Nähe des Gebäudes ist es lebensgefährlich da ständig Dachpfannen explodieren und die Bruchstücke durch die Gegend fliegen. Vom Boden und über den Teleskopmast aus wurde nun das Feuer bekämpft, dass, außer der Erdgeschoßwohnung, sie wurde durch eine Betondecke geschützt, das gesamte Gebäude erfasst hatte. Hier war nichts mehr zu retten.

 

Feuerwehreinsatz an HeiligabendDas Stall- und Scheunengebäude war komplett ausgebrannt und ebenso das Dachgeschoß des Wohngebäudes. Nur wenige Habseligkeiten konnten die beiden Familien, die die „Heilige Nacht“ bei Nachbarn verbrachten, aus dem Haus retten.

 

Bei dem Löscheinsatz waren mit den drei Löschzügen 50 Feuerwehrmänner im Einsatz.

 

 

 

(Vom Stallungsgebäude stehen nur noch rauchende Trümmer.)

 

Der Strombetreiber hatte seinen Notdienst noch gegen 22.00 Uhr vor Ort. Eine Umleitung der Stromleitungen und Sicherung der Masten wurde noch in der Nacht vorgenommen, sodass die unmittelbaren Anwohner des Brandobjektes in den frühen Morgenstunden wieder Strom hatten.

 

 

,Die Feuerwehr Weyerbusch stellte bis in die Morgenstunden des ersten Weihnachtstages eine Brandwache. Die Kripo nahm am ersten Weihnachtstag ihre Ermittlung auf.

 

 

 

 

 

 

(Vollkommen ausgebrannt ist das Dachgeschoß am Haus im Fichtenweg.)

 

Zur Brandursachen konnten noch keine Angaben gemacht werden, den Sachschaden wird auf 100.000 Euro beziffert. Ortsbürgermeister Wilfried Stahl bemühte sich am folgenden Tag bei den Bürgern um Unterbringungs-möglichkeiten für die beiden geschädigten Familien. Pferdchen Tanja steht auf der Wiese unterhalb des Hauses, weint und ruft ständig nach ihrem Dover. (wwa)

 

Fotos: Wachow

 

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